Die Rauhnächte

 

Die zwölf Nächte am Ende des Jahres und die mit ihnen verknüpften Mysterien gehen bis in die Antike zurück. Sie haben sowohl römische als auch germanische und sogar indische, japanische und chinesische Wurzeln, und auch heute noch finden sie vielerorts im Brauchtum Beachtung. Nach uralten Überlieferungen suchen zu dieser Zeit die Seelen der Toten die Lebenden auf. Die Rauhnächte sind eine Zeit der Wiederkehr der Seelen und des Erscheinens von Geistern durch die besonders dünne Wand zwischen den Welten.

 

Die  Rauhnächte  entstanden ursprünglich durch die Diskrepanz zwischen dem Sonnenjahr und dem Mondjahr. Ein Mondmonat, also die Mondphasen von Neumond zu Neumond dauert ca. 29,5 Tage. 12 Mondmonate ergeben somit genau 354 Tage für das Mondjahr.

Das Sonnenjahr von Wintersonnenwende zu Wintersonnenwende dauert aber bekanntermaßen ca. 365,25 Tage. Es verbleibt eine Differenz von 11 Tagen und damit 12 Nächten. Die zeitlosen Tage.

 

Es überrascht kaum, dass mehrere indogermanische Völker das lunare Jahr dem solaren vorzogen, denn schließlich hatte der Mond ursprünglich zur Zwölfteilung des Jahres Anlass gegeben. Weil sich Germanen, Kelten und Inder eben am Mondkalender orientierten, war diese „Ausgleichszeit“ zwischen Sonnen- und Mondjahr eine irgendwie „zeitlose Zeit“. Sie kam im Anschluss an die Wintersonnenwende und lag somit „zwischen den Jahren“, ein Ausdruck, der auch heute noch geläufig ist.

 

Die Rauhnächte gelten als eine magische, bedrohliche und besonders wilde Zeit. Wotan und sein Gefolge rauschen als „wilde Jagd“ durch die Lüfte. Dem Geschehen in diesen Nächten kommt größere Bedeutung zu, und vielerorts gilt es als Orakel für das kommende Jahr, denn jede Nacht steht symbolisch für einen Monat des Folgejahres. Erst nach den Rauhnächten begann für viele Germanen das neue Jahr, welches in der Nacht der Wintersonnenwende endete, wahrlich eine „zeitlose Zeit“.

 

Es gibt unterschiedliche Auffassungen über Beginn und Ende der Rauhnächte. Welcher man folgt, ist daher reine Geschmackssache, allerdings könnten dann die Monatsorakel ein wenig verschoben sein. Die altgermanische Auffassung geht davon aus, dass die Rauhnächte mit der Nacht nach dem Julfest (Wintersonnenwende) beginnen. Jul ist die Nacht vom 21. auf den 22. Dezember, demnach wäre die erste Rauhnacht vom 22. auf den 23. Dezember und die zwölfte in der Nacht vom 2. auf den 3. Januar.

 

Die christliche Auffassung lässt die Rauhnächte natürlich erst nach dem heiligen Abend beginnen. Dieser ist bekanntlich die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember, danach wäre die erste Rauhnacht die Nacht vom 25. auf den 26. Dezember und die zwölfte vom 5. auf den 6. Januar, den Dreikönigstag.

Diese Auffassung ist heute zwar sehr häufig anzutreffen und findet sich in vielen Bräuchen datumsmäßig wieder, entspricht aber nicht mehr dem ursprünglichen Sinngehalt. Denn sie stimmt nicht mehr mit dem Mondkalender überein.

 

Ritual für die Rauhnächte

 

Für jede Rauh-Nacht, beginnend mit der Nacht vom 21. zum 22.12. (oder wahlweise vom 24. auf den 25.12.), schreibe jeweils einen Wunsch für das kommende Jahr auf kleine Zettel. Für jede Rauhnacht einen Zettel, plus einen 13. für den Tag nach der letzten Rauhnacht.

Überlege dir die Wünsche genau, vorallem mit allen eventuellen Folgen.

Dann falte die Zettel so, dass sie nicht mehr unterscheidbar sind und mische sie in einem Beutel.

Zu jeder Rauhnacht ziehst du blind einen Zettel, verbrennst ihn (ohne hineinzuschauen, denn das Loslassen ist hier sehr wichtig) und vergräbst die Asche im Boden.

 

Den übrig gebliebenen, 13. Zettel, kannst du am Tag nach der letzten Rauhnacht öffnen. Das ist der Wunsch, für dessen Erfüllung du selbst sorgen musst.

 

Ich wünsche euch allen eine besinnliche Zeit, glückliche Festtage und einen gesunden Start in das neue Jahr.

 

Euer Christian